Eine kalte Ente und kleine Getränkekunde

Kalte Ente und Getränkekunde by Alexandra Palla Kalte Ente und Getränkekunde by Alexandra PallaIMG_0465Kalte Ente GetränkekundeKalte Ente

Zur Abkühlung des Workshops an dem sehr, sehr heißen Tag ist mir eben spontan die “Kalte Ente” eingefallen. Ein wunderbar, erfrischender Cocktail aus halb Sekt, halb Weisswein, Zitronenschale, Minze (oder Melisse) und bei mir ein Schuss GIN für die “Nachhaltigkeit”. Es war so heiß, daß mir der Eiswürfeleinsatz des Art Deco Kruges zu klein war. Lieber ohne, und dafür noch mehr Eiswürfel direkt in den Krug hinein. Das wässert die “Kalte Ente” zwar, ist aber zur Verdünnung, wer will auch mit Mineralwasser , ganz gut zum Spritzen.

Apropos Spritzen, bei der Gelegenheit sind mir so allerlei Namen für Getränke-Verabreichungsformen und Mischungsverhältnisse eingefallen, ergänze gerne nach Hinweisen durch Kommentarfunktion!

  • Fluchtachterl – letztes Glas Wein vor dem Aufbruch, wird im Gasthaus nach Verlassen des Tisches gerne an der Schank getrunken
  • Achtel mit Tupf – Mischungsverhältnis viel Wein, ganz wenig Soda oder Mineralwasser
  • G´spritzter – 1/4 Liter: halb Wein, halb Soda oder Mineralwasser
  • Sommer-Spritzer (auch Palermo genannt) – 1/4 Liter: 1/3 Wein, 2/3 Soda oder Mineralwasser, wird gerne mit einem Stück Zitrone serviert
  • Badewanne – 1/2 Liter, quasi ein großer G´spritzter,  1/4 Wein, 1/4 Mineral
  • Hugo – der neumoderne Cocktail aus Prosecco, Zitronenmelisse- oder Holunderblüten-Sirup, frischer Minze und Mineral- oder Sodawasser
  • Kalte Ente – Cocktail aus 50:50 Wein, Sekt. Kann mit Zitronenschale, Minze, Melisse und/oder  Gin (siehe  Rezept oben)
  • Aperol-Spritz – Aperol mit Weißwein gespritzt, lieber ist mir der nächste
  • Campari-Spritz – im Gegensatz zu Campari Soda wird hier auch mit Weißwein gespritzt
  • Krankenhaus G´spritzter – Nicht nur alkoholschwach in der Mischung, sondern auch mit warmem Wasser auf-  für Gesunde -unangenehm laue Trinktemperatur gebracht
  • Kaiserspritzer – G´spritzten mit einem Schuss Holundersirup
  • Dienst-Achterl – das legendäre Helmut Qualtinger- als-Kommissar- Brenner Achterl. Der Ober fragt weiss oder rot? Qualitnger: seid wann gibts an roten Slivowitz? (Ist ein Zwetschgenschnaps, Pur)
  • Korrektur-Achterl: ein Glas Abschluss Weisswein, nach sehr viel Rotwein Gläsern
  • 5/8terl – oder auch 5/Achterl in Ehren – sehr schöne neue Wiener-Lied Soul-Band, ist kein Getränk in dem Sinn, gehört aber hier rein
  • Radler – halb Bier, halb Limonade
  • saurer Radler – halb Bier, halb Mineralwasser
  • Reparatur Seidl– das basische Getränk auf übersäuertem (brandigem) Magen, sehr gut mit Leberkäsesemmel am Tag nach einem Rausch
  • U-Boot – ein Stamperl  voll Schnaps direkt im Bierglas (Krügel) versenkt (Steigerung: Atom-U-Boot mit erhöhter Schnaps-Dosis)

Krug Provenienz: Annette Ahrens, die in ihrer Sammlung an historischen Tafelwerkzeugen und Gefäßen eine ganze Auswahl an “Kalten Enten” Karaffen im Fundus, falls jemand von Euch eine original Schnabel-Kanne sucht. Sie erklärt auch, woher der Name “Kalte Ente”stammt: Natürlich aus Deutschland, wo ein deutscher Fürst sich anstelle eines heissen Kaffees ein “kaltes Ende” wünschte. Aus dem Ende wurde im Sprachgebrauch eine Ente. Aus dem Art Deco gibt es wunderbare Karaffen mit einem Glaseinsatz – wie hier bei diesem Bild im Einsatz – , in den das kühlende Eis gegeben wurde, um das Getränk zwar zu kühlen aber nicht zu verwässern. Das ursprüngliche Rezept war: Rheinwein, Sekt und Zitronen, Melisse, eigentlich die zuckerfreie Urform eines heutigen Hugos…

 

Brotzeit im Roggenfeld

Es ist nicht nur ein beliebtes Märchenmotiv, die Bescheidenheit und Dankbarkeit darin auszudrücken, sich ein inmaterielles Souvenir von einer Reise mitbringen zu lassen, die eine heutige Entsprechung von Kostbarkeiten wie Seiden oder Schmuck hier findet. So geschehen beim waldviertler Bäckermeister Erich Kasses, der den Wunsch seiner Frau nach Champagnerroggen aus Frankreich prompt erfüllte. Einen besseren Gefallen konnte die Gattin ihrem Mann wohl nicht machen, so erfahren wir, gemeinsame Familienurlaube zum Beispiel nach Italien sind sowieso  immer nach einem ähnliches Muster verlaufen: während Herr Kasses sich am Urlaubsort sofort nach einer Bäckerei umgesehen hat, um dort einmal richtig abzutauchen und anzupacken, tat ihm dies der Rest der Familie am Strand und Meer gleich. Das Damenprogramm hat ihm seine Passion gerne nachgesehen und  ist seit jäher stolz auf ihn, das spürt man beim Fest am Feld von Herrn Kasses jetzt ganz besonders. Die beiden Mädchen sehen in ihren weissen Kleidern aus wie Bräute, es ist ja auch der ausgegebene Dresscode.

Es gehört schon eine gewisse Besessenheit und gewaltige Portion Leidenschaft dazu, um das auf die Beine zu stellen, was Bäcker Erich Kasses mit seinem Brotfest inmitten eines prächtigen Champagnerroggenfeldes feiert. Anlässe dazu gab es viele. Die beiden mittlerweile erwachsenen Töchter, sind der ganze Stolz von Papa Kasses, das hoch stehende Roggenfeld, und damit erfüllte Wunsch  der Gattin, ein ausgewachsenes Brotsortiment – soviele wie Kreisverkehre in NÖ – unter den Gästen die Honoritäten des Landes, dazu Pfarrer, Bürgermeister, Landesrat, alle da. Unsere Einladung verdanken wir meiner Marktschwester Irene Pöhl vom Wiener Kutschenmarkt. Sie erkennt als größter Umschlagplatz von Kasses Brot in Wien jedes Brot allein am Geruch,  jeden Namen und hilft damit bei der nun beginnenden Brotverkostung an der langen Tafel für 100 Personen den Brotservierdamen gerne aus. Bäcker Kasses beliefert an Samstagen gerne persönlich den Währinger Markt, steht dann selbst am Brotstand, erklärt sein Brot und es gibt Gelegenheit auf ein Brot Plauscherl.

Heute am Feld starten  wir die Jubel-Verkostung von ganz hellem Weissbrot, fast süßlich und fluffig wie Watte, begleitet von sehr guten Wachauer Weinen und landen bei ganz dunklem Roggensauerteigbrot mi viel Gewürzen. Jedes Brot hat seine besondere Geschichte, die von den Töchtern abwechseln vorgetragen wird. Die Sonne im Waldviertel steht schon sehr tief, die grün Schattierungen der umliegenden Felder in 1000 Tönen, dass die Teiglinge vor dem Backen mit klassischer Musik bespielt werden, wundert einem dann bei der schönen Inszenierung auch nicht. Wir schauen über die Felder ringsherum, der Champagnerroggen nickt im Wind ganz freundlich zu uns rüber und so eine Schneise in ein Feld sollte man überhaupt  viel öfter für eine Tafel wie diese mähen.

“Bäcker Erich Kasses feiert ein Brotfest im Roggenfeld” – die verkosteten Brote in der Reihenfolge von hell bis dunkel:

Pan Pugliese 

typischer Duft von fruchtig vergorenen Früchten der durch die lange Reifezeit von 24 Stunden ausgeprägt wird. Herrlich gelbe Farbe der Krumme, erinnert an den Sonnenuntergang im Kornfeld. Beim Schlucken sehr schöner nussigen Geschmack des Durumweizens.

Toskana 

Riecht nach Urlaub, duftet nach Olivenöl und Rosmarin. Laut Bäckermeister die pure „Leichtigkeit des Seins“ für mediterrane Gelage.

Dinkel- Vollkornbrot

Dieses Brot ist eine absolute Dinkelvollkornspezialität, Dinkelvollkornvorteig wird 2x über Nacht 24h in der Reifekammer bei klassischer Musik (!)

reifen. Diese lange Reifezeit drückt sich durch den leicht säuerlichen Geschmack in der Krumme aus und im Abgang ist ein Hauch von Trockenfrüchten erkennbar. Die Krumme ist locker, angenehm saftig und zeichnet sich durch seine große Porrung aus.

Vollwertlaib (ehem. Health Bread)

Der Vollwertlaib aus Weizenvollkorn ist eine Spezialität des Hauses Kasses. Duftet nach Salz und rastet 72 Stunden in Olivenöl. Auf der krossen Kruste und elastische Kruste kommt alles gut.

Leni Vollkornbrot fein 

Leicht würziger Geruch nach vergorenen Früchten der durch die Veräußerung des Waldstaudensauerteiges entsteht. Alle 8 Stunden wie ein  „Haustiere“ (Roggen) gefüttert, damit sich im Holzfass Kulturen vermehren können. Am Stein gebacken kommt es zu der knackige Rinde und saftigen Biss.

Waldbauernflade 

Dieses Fladenbrot zeichnet sich durch seine angenehme Schwarzroggen-Sauerteignote aus und durch das kräftige Ausbacken am Steinofen kommen die Röststoffe in der Kruste wunderbar zur Geltung. Roggensauerteig und Waldstaudensauerteig machen den kräftigen Geschmack. In der leichten Krume ist saftiger, nussiger Geschmack nach Sonnenblumenkernen und der angenehme würzige Geschmack von Fenchel zu schmecken.

Jägerbrot

Das Jägerbrot ist eines der ältesten Rezepturen unter den  135 Kasseschen Brotkulturen, Der Waldvierter Gebirgsroggensauerteig verleiht diesem Brot diesen einzigartigen, man könnte fast sagen rassigen säuerlichen Geschmack. Das süßliche vom Fenchel rundet diesen säuerlichen Geschmack wunderbar ab.

Champagnerroggen 

Für dieses Brot wird ausschließlich der neu ausgesäete Champagnerroggen mit süß-säuerlichen Geschmack zuständig, siehe letztes Bild mit Ähren!

 

Mein Lieblingsbrot von Kasses: Vollwert-Laib (früher Health Bread) Ursprüngl. aus den EU Forschungsprojekt hervorgegangen – siehe 3&5. Bild. 4,50 Euro /200 g, gefolgt von dem ganz hellen (letzten 2 Bilder)

 Bäckerei Kasses, Produkte und Bezugsquellen

Pöhl am Kutschkermarkt

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Standing Ovations dem narrischen Kirschenkuchen

Um den Standler auf den Videodreh einzustimmen, war ich schon die Tage davor am Naschmarkt, natürlich mit der Vespa hingehuscht. Geparkt wurde gleich vis a vis vom Theatercafe, denn das Obsteck ist auf gleichen Höhe. Dort alles besprochen und auch noch die schönen Riesenkirschen gesehen. Kosten zwar ein Vermögen, aber was solls, eine freundliche Zeche schadet im Vorfeld nicht. Ja, und bitte in das schöne Holzkisterl da vorne lose einstreuen, ma schaut das schön aus, klar, ich nehm gleich 5 Kilo davon, macht sich doch sicher gut am Film! Zur Sicherheit aber noch 2 Sackerl, danke. Alles für das Video ausgemacht, wir kommen dann die Tage und alles in 10 Minuten erledigt, versprochen. Zurück bei der Vespa, das Kirschenkisterl erst einmal am Sitz abgelegt, es waren noch ein paar Telefonate zu führen. Dann hab ich ausprobiert, wie sich das Kistl am vorderen Packlträger macht,  kommt  vielleicht gut am Video, mir ist klar, da werd ich ein  paar Spinnen oder wie die Gummischnüre heißen, brauchen. Also Vespasitz auf, Helm raus, Kirschen in die Sackerln abfüllen, versenken und die Kiste? Gut, die kann ich dem Standl immer noch zurückbringen, irgendwie in meinen Shopper packen oder, mir einfach zwischen Rücken und Umhängetasche klemmen, geht! Noch ein bissl zwischen Helm und Wange telefoniert, ausgeparkt und plötzlich……..gewaltiger APPLAUS!!!! Ungefähr der ganze Schanigarten,  die Bar vom Theatercafe, Passanten, ungschaut 50 Leute, haben mich -während meiner narrischen Kirsch-Pack-Aktion beobachtet, mit dem Handy gefilmt und sich, zurecht,  ihres gedacht. Im Wegfahren mich natürlich sehr bedankt, das Kistl am Rücken hat schon ein bissl gepiekst, die Standing Ovations geb ich gerne dem Kirschenkuchen weiter, verrückt.

Zutaten:

so schwer wie 4 ganze große Eier (etwa immer ca. 250 Gramm), auch Butter, Staubzucker und glattes Mehl. 1 EL Backpulver, 1 Kilo Kirschen, Staubzucker zum Bestreuen.

Zubereitung:

Backofen auf 170 Grad (Ober-Unterhitze) vorheizen. Die sehr weiche Butter (vorher in die Sonne stellen) mit dem Zucker ein paar Minuten schaumig rühren, nach und nach die ganzen Eier einrühren. Mehl mit Backpulver mischen, in den Teig sieben und mit Spachtel umrühren. Teig auf ein Backblech streichen, Kirschen darauf verteilen und ca. 40 Minuten backen.

 

Kirschenkuchen gleichschwer einfach by Alexandra Palla Kirschenkuchen gleichschwer einfach by Alexandra Palla Kirschenkuchen gleichschwer einfach by Alexandra Palla Kirschenkuchen gleichschwer einfach by Alexandra Palla Kirschenkuchen gleichschwer einfach by Alexandra Palla

Erlebnisbad Topfenkuchen

pallabester Topfenkuchen by Alexandra Palla Roughcutblog   pallabester Topfenkuchen by Alexandra Palla RoughcutblogIMG_9477 pallabester Topfenkuchen by Alexandra Palla Roughcutblog   pallabester Topfenkuchen by Alexandra Palla Roughcutblog

Dieser Topfenkuchen ist mein Highlight in jeder Marillensaison. Im Gegensatz zum gleichschweren Blechkuchen, der grad mit Kirschen weggeht wie die warmen Semmeln, wird dieser hier im Dampfgarbackofen zu einem Soufflé veredelt. Ich kann jetzt aber nicht näher drauf eingehen, denn die Teenagerin hat grad angerufen. Sie und ihre Freundinnen haben sich ein “Erlebnisbad” an einer Kasse zurücklegen lassen, das ich mit ihnen jetzt bitte abholen soll. Ein Blasebalg wär nicht schlecht sag ich noch, denn dem Bad soll die Luft nicht ausgehen, die mir beim Topfenkuchen so schön drin geblieben ist. Der Mini-Plantsch Prater soll, sobald aufgeblasen und mit warmen Wasser einzeln aus Flaschen (!) befüllt, auch gleich eingeweiht werden, eine Nachricht in die Gruppe ist schon reingestellt. Ich geh jetzt die  blaue Fahne für Bad und meine Nerven suchen und nehm vom Obstregal noch eine Tasse Marillen mit, jedem sein Erlebnisbad.

Zutaten:

  • 5 ganze Nuller-Eier
  • 180 g Staubzucker
  • 3 Becher Topfen, 20% fett (750 Gramm)
  • 2 El Mehl
  • 1 Packerl Vanillezucker, eine Prise Salz

 

Zubereitung:

Eier mit Zucker in der Küchenmaschine schaumig aufschlagen, eine Prise Salz und den Topfen und Mehl einrühren, in eine ausgebutterte und ausgemehlte Form. Im Dampfgarer bei Niedrigdampf und 170-180 Grad 50 Minuten backen. Im normalen Backofen geht auch, nur eben ohne Erlebnisbad.

Danke an das Obsteck am Naschmarkt für die freundliche Kulisse für diesen Marillenkauf und Geduld. Dieser Beitrag enthält AEG Werbung.