Frau Smutnys Paradeisersuppe

Im Haushalt meiner Großeltern gab es immer sehr patente Köchinnen, die Mittags die Mitarbeiter vom Schinkenmacherbetrieb, der angeschlossenen Fleischhauerei und dem Großmarktstand in der eigenen Küche verköstigt haben. Gekocht wurden stehts Klassisch bis Böhmisch-Wienerische Gerichte mit den besten Stücken, die die Fleischhauerei oder die Schinkenproduktion überließen. Gegessen wurde von den “Burschen” aus dem Betrieb, den Mitarbeitern des Geschäfts, der Kassierin Frau Zawadil, dem Chauffeur (liebevoll nur der “Schaffeer” gerufen), immer ein paar Enkelkindern (wie mich) und natürlich meiner sehr hungrigen Großmutter Berta, die zu Mittag schon einen sehr langen Arbeitstag am Großmarktstand der Alten Markthalle hinter sich hatte. Der Großvater war zur Mittagszeit immer schon auf Lepschi oder bei seiner Musik. Eine der Köchinnen hieß Frau Poldi, eine hagere, kleine Frau aus dem Burgenland. Heute weiß ich nicht mehr was tiefer lag, ihre dunklen Augen oder der im Nacken gebunden Haarkranz, jedenfalls immer großartige Innereienspeisen. Ganz im Gegensatz dazu Frau Erika, aus einer Gärtnerfamilie in Simmering, ein Teint wie Liselotte Pulver, ein Timbre wie die Marika Röck und den weissen Arbeitsmantel immer straff über den Riesenbrüsten gespannt. Ihre Buchteln mit Vanillesauce gewinnen ex aequo den ersten Preis der Germteig Olympiade gemeinsam mit der Germteig Uli (siehe hier am Blog alle Rezepte mit Germteig). Und dann, Frau Smutny, die rein optisch gesehen die kleine Schwester von Heinz Conrads gewesen sein könnte, gekocht hat sie aber besser als Peter Alexander gesungen hat. Besonders ihre Paradeisersuppe werde ich nie vergessen. Die gab es natürlich besonders oft im Sommer, zu einer Zeit als schöne, reife, g´schmackige Paradeiser – anders als heute – nicht leicht verfügbar waren.  Dazu, selbst gemachte, dünn geschnittene Nudeln. Ein einfacher Nudelteig wurde rasch verknetet, in der Speis zum Rasten neben die Schmalztöpfe gestellt, dann die breite Fensterbank bei geöffneten Fenstern mit Mehl bestaubt, darauf hauchdünn der Teig ausgewalkt, Nudeln in sehr dünne Streifen geschnitten und dort an der Sonne ein wenig zum Trocknen liegen gelassen. Die Paradiessuppe, die  beim Kochen wie das Magma eines Vulkans freundlich dahin geblubbert hat, wurde kurz vor dem Eingießen in die tiefen Suppenteller, die heute locker als Salatschüsseln durchgehen würden, mit direkt aus den Zitronenhälften gepressten Saft verfeinert und den gekochten Nudeln, plus den paar unvermeidlichen darin gelandeten Zitronenkernen, serviert.

Nicht, daß ich noch nie Paradeiser Suppe gemacht hätte, gerne auch so eine eiskalte, scharfe Gazpacho oder andere Paradeiser Gerichte wie der Tomaten-Saft, aber dann sind von einem Shooting so viele schöne rote, reife, süße Paradeiser übergeblieben, daß mir sofort die Frau Smutny eingefallen ist. Weisse Zwiebeln in Butter angeschwitzt, sehr viele Paradeiser und ein paar Gewürze dazu, mit Suppe aufgegossen und an dem sehr warmen Samstag langsam im Bikini bei offener Terrassentüre dahin geköchelt. Dann ist mir eine Yogastunde dazwischengekommen und den gekochten Topf einfach stehen lassen. Tags darauf, und ich muss sagen, das hat der Paradeisersuppe wirklich gut getan, hab ich alles durch die Flotte Lotte gedreht, nochmal aufkochen lassen, die Nudeln al dente gekocht, nicht vergessen, die Zitrone über der Suppe auszupressen und ich war wieder das Kind in der Küche meiner Großmutter, die Frau Smutny am Herd und alle mucksmäuschen still, denn es gab wieder Paradeisersuppe!

Zutaten (auf 4 Portionen heruntergerechnet) für die Suppe:

  • 1 weisse Zwiebel
  • 1 Stück Butter
  • 1 Lorbeerblatt
  • 2 EL Tomatenmark
  • 1 Kilo reife, rote, süße Paradeiser
  • 500 ml Suppe (oder 1/2 Suppenwürfel in heißen Wasser aufgelöst)
  • 4 Pfefferkörner, 3 Lorbeerblätter, Salz, Zucker
  • 1/2 Zitrone, ausgepresst

Zutaten Suppennudeln:

  • 100 Gramm Mehl (Mischung aus glatt, griffig)
  • 1 Ei
  • ein paar Tropfen Öl
  • Salz

Zubereitung:

Zwiebel würfelig schneiden, in Butter anschwitzen, geviertelte Paradeiser und Tomatenmark dazu, würzen und mit der Suppe eine halbe Stunde köcheln. Sofort oder besser später durch eine Flotte Lotte (Passiersieb) drehen, mit Zitronensaft, Salz und Zucker abschmecken und mit Nudeln* servieren.

Die Zutaten für Nudeln zu einer Kugel verkneten, zugedeckt 30 Minuten rasten, mit einem Nudelholz auf einer bemehlten Fläche zu einem dünnen Teig ausrollen, zuerst in Streifen und dann in dünne Nudeln schneiden und kurz antrocknen lassen. Länger getrocknete Nudeln sind kühl und trocken gelagert auch länger haltbar, kann ich aber nicht sagen wie lang, denn unsere werden immer sofort gleich aufgegessen.

 

 

Bärlauch, geht unter die Haut

Ist es also doch noch was mit dem Frühling geworden! Überzeugt hab ich mich davon am Wochenende bei Dauerlauf durch den Wienerwald, denn es gibt ein engagiertes Ziel, einen Lauf in einer für mich passablen Zeit zu rennen. Bis dahin gibt es Intervall-  und eben Dauerläufe. Meine Lieblingsstrecke führt über das Häuserl am Stoa (jetzt mit ganz viel Veilchen und Leberblümchen, wen´s interessiert), rüber zum Griaß di a Gott Wirt, runter nach Weidling. Mahh, ja, und da ist er auch,  der Bärlauch, wurde ja schon mehrfach auf Instagram zwischen Magnolienzweigen und anderen rosa Blüten der Influencer Feeds gesehen. Legt sich wie ein Flokati über den Waldboden, schaut ja gleich viel besser aus mit dem vielen Grün. Unten beim Weidlingbach parken die Bärlauchpflücker, schaffen Kistenweise den wilden Knofl aus dem Wald. Was haben die damit vor? Was könnt ich damit machen? Der Rokitansky hat ein Wiesen-Hendl vom Markt nach Hause gebracht, also kommt der Bärlauch heute einfach in das Huhn hinein und der zarte Knoblauchgeschmack in der Semmelfülle, kombiniert mit 2 Blättern unter der Haut schmeckt ganz wunderbar und ist auch schön anzusehen.

 

Zutaten

  • 1 Brathuhn (Wiesenhendl, Bio)
  • 2 altbackene Semmeln gewürfelt
  • 1 Ei, 100 ml Milch
  • 2 Hände voll frisch gepflückter Bärlauch
  • Öl, Butter

Zubereitung

Die Hälfte des Bärlauchs mit kochendem Wasser übergießen (aus dem Wasserkocher), würfeln, mit verquirltem Ei und Milch und den Semmelwürfeln für die Füllung mischen. Sauberes Huhn damit füllen und mit Zahnstocher verschließen. Unter die Haut der Brüste ein Stück Butter und je ein Blatt Bärlauch schieben. Bratform mit etwas Öl beträufeln, Huhn zuerst mit Brust nach unten, in der Hälfte der Bratzeit mit Brust nach oben im heißen Backofen bei 180 Grad ca. 1,5 Stunden braten, mit insgesamt 250 ml Wasser oder Hühnersuppe aufgießen.

Gebratenes Huhn auf restlichen Bärlauchblättern anrichten, kurz rasten lassen, das sammelt die Säfte im Huhn gut zusammen, tranchieren und servieren!

Kaisersemmel selbst gebacken

Stell dir vor es ist Wochenende, du hast nichts vor, willst das Haus auf gar keinen Fall verlassen und gemütlich mit frisch gebackenen, krachenden Kaisersemmerln zum Ei und Joghurt frühstücken. Ja sicher, das will ich auch, deshalb hab ich mir ein rough cut Rezept für selbst gebackene Semmeln rausgesucht und war überrascht, wie einfach das ist.

Die Technik vom Semmel-Falten, schließlich ist noch keine Bäckerin vom Himmel gefallen, kannst du dir auf You-Tube einfach reinziehen oder schaust gleich mein Video – siehe unten –  dazu. Da ich schon mal beim Frühstück selber machen bin, hab ich auch gleich die Joghurt-Funktion meines Ofens ausprobiert und siehe da, stichfestes, tadelloses selbst gemachtes (ja das geht auch!) Joghurt, nur dafür musst du schon einen Tag vorher anfangen. Gut, daß heute Freitag ist, ich fang gleich wieder damit an, einem Wochenende mit selbst gemachten Frühstück steht also nichts im Wege

Zutaten für 8 krachende frischgebackene Kaisersemmeln

  • 500 g glattes Mehl
  • 1 Pkg Trockengerm
  • 1 Teelöffel Zucker
  • 250 ml lauwarmes Wasser
  • 80 g flüssige Butter
  • 2 Teelöffel Salz
  • lot of love

Trockengerm im lauwarmen Wasser verrühren, mit den restlichen Zutaten zu einem glatten Teig verkneten, 30 Minuten gehen lassen bis sich Teigvolumen verdoppelt hat. Teig auf einer bemehlten Unterlage in 8 gleich große Stücke teilen, Semmerl formen, im Multidampfgarer mit Einstellung “Feuchtgaren mittel” ca. 20 Minute backen. Wie einfach das ist, zeige ich euch in diesem Video, eine Zusammenarbeit mit AEG.

Joghurt

Zutaten: 1 Liter Milch (3,5% Fett), 3 EL Joghurt (3,5% Fett), lot of love

Milch kurz aufkochen, abkühlen lassen, mit Joghurt verrühren, in Gläser abfüllen, im AEG Mulitdampfgarer mit Einstellung “Joghurt” 6 Stunden warm (Automatisch auf 42 Grad) stellen, herausnehmen und über Nacht kühlen.

 

Bezahlte Kooperation mit AEG, Werbung.

Mohntorte, dabei sein ist alles!

  

Sonntags bei der Schölli zum Olympia-Abschauen, jeder bringt was mit. Nur der Axel ist schon da, macht zuerst Yoga und dann wird gekocht. Du, schreib ich der Andrea, bei uns wird es erst Eins, dafür bring ich Mohntorte und die anderen Sachen mit. Die Idee dazu kam wieder aus der Auszugslade (Lebensmittelvorräte aufbrauchen!). Höchste Zeit für das gemahlene Mohnpackerl, sonst wär´s wahrscheinlich diese Karottentorte geworden. Mohntorten kennt man ja, entweder sie sind steinhart, stauben einem bei den Ohren raus, werden vor lauter dunkler Schokolade immer mehr im Mund oder haben diesen picksüss-sauren weißen Deckel. So einfach, fluffig, schön mohndunkel und natürlich saftig soll sie sein. Die Rezepte aus meiner Mohntortenzeit, in der ich gerne rohe Äpfel in den Teig gerieben hab, weiss ich nicht wo die sind, außerdem hab ich sowieso keine Äpfel daheim. Es wird, ihr ahnt es schon, ein rough cut Rezept, das ich mir aus ein paar dahergegoogelten Resultaten aus Mohn-Nuss-Poppy-Seed-einfach-saftig zusammenreime. Das Trennen der Eier spar ich mir, die Zuckerangabe vermische ich mit meinen dunklen Vollrohr Lieblingszucker  (absolut not sponsored, sag ich extra dazu, weil mein Mohntortengeheimnis Nr.1). Back die Mohntorte schon einen Tag vorher (mein Mohntortengeheimnis Nr.2) und lass sie zugedeckt über Nacht stehen. Dass das Frosting (so wie ich es auf der Karottentorte gemacht hätte) diesmal nicht gelingt, liegt hoffentlich nicht daran, daß ich Sauerrahm statt Ricotta nehm (was aus). Ich glaub das hat was mit der Temperatur zu tun. Hab der Frostingexpertin  FrlCupcake eh gleich auf Instagram geschrieben, aber noch keine Antwort bekommen. Inputs – wie das Frosting ohne lästiger Bröckerln gelingt, nehm ich hier gerne dankend entgegen.

Außerdem, was soll´s, hier hilft der Olympische Gedanke, dabei sein ist alles, ein paar geriebene Nüsse drüber (Mohntortengeheimniss Nr.3)  und es passt schon. Wir schauen uns die Highlights der Olympiade nochmal an, freuen uns für Anna Gasser (mag ich sehr)  und den Marcel für die Goldenen und alle anderen Österreichischen Medaillen , mein Gott, die hundertstel Sekunde bei der Anna Veith, dann die arme Langläuferin Stadlober, die sich als Zweite verläuft und den enttäuschten Papa in der Moderatorienkabine dazu gleich ein paar Mal.  Schauen uns Eiskunst, Paar und Tanz an, bis der Gusti nicht mehr kann  und lieber Fussball schauen mag. Die Mohntorte gibt es bald wieder und nicht vergessen, put a lot of love in it (Mohntortengeheimnis Nr. 4)  und überhaupt.

Zutaten für die Torte

  • 6 ganze Eier
  • 200 weiche Butter
  • 200 gemahlener Mohn
  • 200 geriebene Nüsse (hier Walnüsse)
  • 200 Zucker (Kristall und Voll-Rohr-Zucker gemischt)
  • 1 TL Backpulver, Brösel für die Form

Frosting

200 Butter, 200 Staubzucker, 200 Ricotta, 100 g Nüsse zum Bestreuen

Zubereitung

Die ganzen Eier mit dem Zucker sehr schaumig rühren (ca. 5 Minuten), langsam die weiche Butter, Nüsse, Mohn und Backpulver unterrühren und in eine ausgebutterte und mit Brösel panierte Form gießen und bei 160 Grad im vorgeheizten Ofen 50 Minuten backen und auskühlen lassen. Zugedeckt über Nacht stehen lassen. Für das Frosting die Butter mit dem Staubzucker schaumig rühren mit Ricotta vermischen, Torte damit füllen und außen bestreichen. Mit gemahlenen und ganzen Nüssen bestreuen.

 

Sarde in Saor bis es wieder scheppert

Die kulinarische Damenrunde kommt bei ihren regelmäßigen Treffen stets auf Höchsttouren. Kaum gibt es ein Motto, lizitieren sich die Ideen, wer was kocht, mitbringt und wo, in der WhatsApp Gruppe aber so, daß das Handy am Tisch nur so vor Freude scheppert. Wir haben schon Würste gedreht, Ravioli geformt, ausgefallenste Käsestücke mit dem Inhalt kostbarster Flaschen versoffen, ein Thanksgiving mit fancy Beilagen gefeiert. Da haben sich eben die Richtigen gefunden. Mit dabei sind immer Küchen-Experimente, Kostproben von kulinarischen Abenteuern, besondere Gäste, immer kalte Getränke und heisse Storys. Was in der Runde besprochen wird, bleibt in der Runde. Diesmal  ist es “Harry´s Bar“. Kaum fällt das Stichwort, sprudelt es nur so dahin. Jede in der Runde ruft aus dem Gedächtnis Rezepte der berühmtesten Bar von Venedig ab, als hätte sie das großartige Kochbuch von Giuseppe Arrigo Cipriani gerade für ein Vorsprechen einstudiert. Unbedingt “Harry´s Bar Toast”, “Torta di Mela”, ja, und “Bellinis” müssen auf alle Fälle her, nein “Osso Bucco” sprengt den Rahmen, bei  “Sarde in Saor” sind alle dabei. Mach ich eigentlich jedes Jahr, und war für diesen Einsatz quasi in den Startlöchern. Ich hol mir beim Umar ein paar frischen Sardinen, Zwiebel sind daheim, Rosinen auch, fehlen nur ein Pinienkerne, die vergesse ich gerne, diesmal nicht. Die Sardinen werden ausgenommen, geköpft, breitgedrückt, in Mehl gewälzt und kurz frittiert. Die Zwiebel in Ringe geschnitten, sanft in Öl angebraten, mit den Rosinen bestreut, Weisswein und Essig gelöscht und zugedeckt 15 Minuten gedünstet. In einer runden Form die frittierten Sardinen auf den Zwiebeln betten und mit gerösteten Linienkernen bestreuen. Ein paar Stunden oder über Nacht marinieren lassen, hält gekühlt auch ein paar Tage! Kaum auf den Tisch gestellt und die ersten Harry´s Bar Toasts zwischen den Zähnen wurde nach dem Motto für das nächste Treffen gefragt. Verraten wird noch nichts, jetzt soll es erst mal scheppern.

Zutaten:

  • 500 g frische Sardinen (ca. 10 cm lang)
  • 500 g weisse Zwiebel
  • 1 Hand Rosinen, 1 Hand Pinienkerne
  • Öl,  1/8 Weisswein, Spritzer weisser Balsamicoessig

Zubereitung:

Sardinen ausnehmen, waschen, köpfen, trockentupfen, in Mehl wenden und 3 Minuten in Öl frittieren. Zwiebel schälen, in Ringe schneiden, in Öl anschwitzen, Rosinen dazu, Weisswein und Essig löschen, zugedeckt 15 Minuten dünsten. Pinienkerne leicht rösten und anrichten.  

 

Grießnockerl, zart und flaumig

An meinem  Jahresvorsatz, Lebensmittelvorräte – die sich schon länger in der tiefen Auszugslade aneinander pressen-  aufzubrauchen, arbeite ich kontinuierlich weiter.  Jetzt sind die Grießreste dran. Zurecht, fragst du dich, wo die herkommen, ich mich auch. Grießschmarrn (siehe dieses sehr gutes Rezept dazu)  kommt auch gleich dran. Zuerst aber Grießnockerl, denn der Rokitansky hat eine tadellose Rindsuppen seit 2 Tagen am Köcheln, schön dunkel von den mitgekochten angerösteten Zwiebelhälften mit Schale, die schreien ja förmlich nach darin treibenden weissen, zarten, flaumigen Nockerln. Schon bei der ersten Instastory darüber erreicht mich ein Kommentar: “Sind bei mir immer innen hart”, schreibe zurück “15 Minuten ziehen lassen”. Darauf  kommt  ein “trotzdem….”, und von mir “…auch vorher den Grieß ein bissl quellen lassen”. Gut, als echtes Währinger Nockerl hat man´s leicht,  ist nicht viel rumgekommen, Grießnockerl innen dafür immer zart, flaumig und innen weich.

Zutaten (für ca. 10 Nockerl)

  • 80 g Weizengrieß
  • 40 g weiche Butter
  • 1 Ei
  • 1 TL Salz

Zubereitung

Alle Zutaten mit der Gabel gut verdrücken und 15 Min rasten lassen. Wasser in einem Topf zum Kochen bringen, Nockerl zwischen 2 Suppenlöffeln formen, 3 Minuten schwach wallend kochen, vom Feuer nehmen, Deckel drauf und 15 Minuten ziehen lassen. Abseihen und in Suppe legen.

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savoir vivre, Cremeschnitten

Begonnen hat alles bei einem wunderschönen Winterspaziergang über den tief verschneiten Nussberg mit dem Rokitansky und dem Verleger. Das war letzte Woche am Sonntag. Du, sag ich zum Verleger, mit deinem Geschenk an den Rokitansky hast du mir eine große Freude gemacht. Es geht um ein französisches Kochbuch aus den 60er Jahren, das der Wiener Mandelbaum Verlag jetzt auch auf deutsch gemacht hat. Die konkrete Verbindung, warum es diese deutsche Übersetzung ausgerechnet zum Mandelbaum Verlag nach Wien verschlagen hat, gibt es. Es ist auch kein richtiges Kochbuch, mehr eine Beschreibung von ausgewählten, früher hätte man gesagt “Junggesellen” Speisen wie Pates, Terrinen, Würste, Eier und viel vom Schwein. So als hätte die Autorin für den Fall vorsorgen wollen, ihrem Mann eines Tages zu sagen, sie gehe jetzt Zigaretten holen. Der Erzähl-Ton der Gerichtsbeschreibungen hat auch was Woody-Allen-Filmhaftes. Man nehme eine Hand voll Naivität (hartes Ei kochen), würze sie mit einer Prise Ironie (wie man Erbsen aus der Dose macht)  und schiebe sie in den Abgrund einer kleinen kulinarischen Tragikomödie (Suppe für die Suppe kochen).

Beim Spazierengehen fallen mir einige skurrile Passagen aus dem Buch wieder ein: Wie die Bohnen für das Cassoulet zuerst auf den Tisch ausgebreiten und von Steinen (!) befreien, bevor, uns so weiter, oder wie die Gans im Schwein gebraten wird. Da waren wir schon am halben Weg auf den Nussberg hinauf. Beim niedergebrannten Wieninger dann “Homard a l Americaine, sehr lustig, beginnt mit dem Satz “Grundvoraussetzung für dieses Rezept ist immer (!) ein lebender Hummer….”, beim  Ochsenschlepp nach “Winzerart” (?) , sind wir grad beim Sirbu vorbei. Das Buch hat wirklichen Unterhaltungswert, gerade bei einem Spaziergang an einem sehr kalten Tag ohne Aussicht. Sehr ausgefroren sind wir dann im Wirtshaus gelandet, dort ein ordentliches Wiener Schnitzel bekommen. Der Verleger musste in den Verlag noch was ordnen und ich am Heimweg an Cremeschnitten denken. Was würde Elizabeth David, die Buchautorin jetzt machen? Schon in ihrer Einleitung zum Kapitel Les Deserts (Süßspeisen)-  das im Vergleich sehr mager ausfällt – steht gleich einmal: “Ist eine französische Hausfrau nicht sehr versiert, kann sie  alles in der örtlichen Patisserie bestellen….”. Das nenn ich eine gute Einstellung, sehr rough cut, warum auch herumärgern, pantschen, basteln, nach so einem Sonntagsschnitzel und langem Spaziergang kann man ruhig bei der Aida stehenbleiben und ein paar Cremeschnitten für die Jause daheim mitnehmen. Denkste, Cremeschnitten aus, was bleib: selber machen! Daß daraus unabsichtlich ein Wochenprojekt geworden ist ist eine Mischung aus Naivität (der Aufwand, einen Blätterteig selber zu machen war für mich nicht abzusehen), eine kleine Tragikkomödie (ein Deutscher gewinnt das Hahnenkammrennen) und einer Prise Ironie (ohne großer Prozedur trotzdem ein tadelloser Blätterteig mit viel Savoir Vivre).

          

Für den Blätterteig (Sonntag)

erster Teig: 250 g glattes Mehl, 100 ml Wasser, 1 Ei, etwas Salz verkneten, Kugel formen

zweiter Teig: 200 g Butter und 100 g Mehl verkneten zu einem Ziegel formen

Beide Teige rasten lassen (im Plachutta steht 2 Stunden, ich nur 20 Minuten). Ersten Teig auswalken, und zweiten Teig (Ziegel) darauflegen, Ränder einschlagen, von beiden Seiten festdrücken und im feuchten Geschirrtuch 1 Stunde im Kühlschrank rasten (daraus wurden beim mir 4 Tage !!??).

In den Kochbüchern steht jetzt überall, diesen Teig mit Nudelholz ausrollen, falten, rollen, kühlen, wieder ausrollen, falten, rollen, kühlen,…bis zu 4 Mal!

Zurück zu meiner rough cut Methode (Freitag)

Backofen auf 220 Grad vorheizen, Teig in 4 gleichgroße Streifen (ca. 12 cm breit x 25 cm lang) ca. 14 Minuten backen.

Creme:

2 Eier mit 60 g Kristallzucker und 2 Packerl Vanillezucker aufschäumen, 6 aufgelöste Gelatineblätter (siehe Packung) unterrühren, 1/2 l (500 ml) Schlagobers steifschlagen, unterheben und 20 Minuten kalt stellen (ein 4 Grad kühler Wintertag hilft).

Creme zwischen den ausgekühlten Blätterteig streichen, zumindest 3 Stunden kühlen, oder über Nacht.

Finish (Samstag):

Cremeschnitte “umlegen” mit scharfen Sägemesser portionieren, wieder aufstellen, anzuckern und servieren.

 

 

 

Der Opernball 2018, ein Vorgeschmack

Das wird ein Feuerwerk an Zitaten aus berühmten Opern am Wiener Opernball 2018 geben! Etwa “Dies Bildnis ist bezaubernd schön…” beim Damen-Spende-Spiegel, oder den Cocktail “Glücklich ist, wer vergisst…” mit viel Gin und Sinn über den Saal-Tresen gereicht werden. Auch sonst haben sich die 3 Gastgeber Opern-Direktor Dominique Meyer, Open-Ball-Mama Maria Großbauer und Ball-Sekretärin Eva Dintsis wieder einiges für den Ball aller Bälle einfallen lassen.  Fanfaren, Hymne, Polonaisen. Der Einzug des Jungdamen und Herren Komitees mit Krönchen von Dolce und Gabbana (hab ich am Rande des Shootings mit Inge Prader Probegetragen – siehe oben) und Schminke von Guerlain, für die Jungmänner Manschettenknöpfe von meinem Lieblingsschneider Venturini.

“Mein idealer Lebenszweck ist Borstenvieh und Schweinespeck….” so könnte das Zitat zu den vielen Schmankerln lauten, die rund um das Tanzparkett ausgegeben werden: Thum Schinken und seine Schinkensemmeln (Frage: Hallo, was machst du da auf der Opernball PK, Antwort: bin ein echter Thum Schinken, Frage: Aha!) und das berühmte Thum “Opernballwürsterl“, Gebäck von Ströck Feierabend, ein Opernball HOT-Dog, Ausseer Wildfang Fisch, Brettljausen und feine Aufschnitte von Hödl, Leberkäse mit und ohne Chili, Trüffelchips, Apfelstrudel Sparkling Sekt, Sushi Bar und Eiswagen. Die Opernball Lady outet sich als ausgesprochener Foodie.

Wem da schlecht wird, dann kann´s jedenfalls nicht am Essen liegen. Bleibt für den Rest zu sagen: “Chacun à son goût! – jeder nach seinem Geschmack.Dazu habe ich auch Maria Großbauer gefragt, ihre Antwort findet ihr HIER.

Wenn der Opernball heuer nicht in der Semesterwoche wär´, ja, dann würd ich mich glatt in ein schinkenrosa Kleid stecken lassen, dazu ein paar Ranunklen (die Opernball Blume 2018 von Doll)  ins Haar – siehe Sträusschen –  und für meinen Cousin Roman Thum Schinken aufschneiden. Vielleicht klappt es ja nächstes Jahr.

Wiener Staatsoper

Wiener Opernball, Donnerstag, 8.2.2018

Der Opernball wird auf ORF 2 live übertragen.

Rutsch die gute Minestrone

    

Da waren sie, die lieben Neujahrsgrüße-Filmchen und Fotos am Handy. Platz 1 ging heuer eindeutig an “Schlitterndes Elefantenbaby im Dschungel”, gefolgt von “Nackerter in der Garderobe”, der am Bauch quer durch die Umkleide in die Duschkabine rutscht und Platz 3 schnellsprechendes weisses Häschen mit bayrischem Dialekt schnallt sich auf Rakete und schießt sich ins Weltall, ex äquo mit der ablaufender 2017 Uhr (lauter schlechte Sachen), die ins 2018 läuft (lauter gute Sachen). Fotomäßig tolle Feuerwerke, sehr viele Sektkübel auf Skihütten, Strände in Down Under und schön gefönten Haare mit tollen Kleidern aus Bali. Hab mich über jeden einzelnen sehr gefreut. Selbst hab ich das total übersehen, denn wir hatten  diesen wunderschönen alten Holzbalkon  im 3. Stock vom Gasthof zur Post in St.Gilgen für uns alleine, das Feuerwerk vom Salzkammergut-Tourismus quasi exklusiv, erste Reihe fußfrei, viel vom feinen Rose-Sprudel und uns die ganze Zeit gefragt, warum wir das nicht immer so. Der Hansi ist noch weiter gegangen, wie deppert er über 18 Jahre lang war, sein kleines Feuerwerk drüben in der Bucht abzufackeln, wo doch hier, und so prächtig. Ja, Hansi, machen wir jetzt gerne immer so, nur das gebrochene Handgelenk lassen wir bitte aus. Den Wünschen folgen die Neujahrsvorsätze, wie mit weniger Sachen auskommen, keinen Alkohol trinken, mehr Sport machen, Lebensmittelvorräte aufbrauchen, mehr Suppe essen. Das trifft sich gut, Das Gemüse auf der Kellerstiege wird zusammengeschnippelt, in Jungzwiebel, Lauch und Knoblauch mit dem Zeller, Karotten, Erdäpfel, Kohlrabi, kleinen Paradeisern zart angeröstet, aufgegossen, mit Paradeisemark, Salz, Lorbeerblatt und Pfefferkörnern gewürzt und ein Zeitl geköchelt. Dazu rutschen mir Nudeln und getoastetes Brot hinein, das mit Knoblauch bestrichen und in Zitrone, Limetten und Olivenöl dazu getunkt, mein Neujahrsgruß an euch ist! Parmesan darüber schadet auch nicht. In diesem Sinne, wünsche ich euch einen guten Start ins neue Jahr, eure Alexandra