Vitello Tonnato und denk mir “so”

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Samstag ist im Sommerfrischedorf immer An- und Abreisetag. Rundherum. Nebenan, in der schwer pelargonienbehängten Seepension mit ihrem alpenschicken Fassadengesicht, erscheint die Wirtin, in ihrem Griaß-Euch-Pfiat-Euch- Dirndl und hält Parade ab. In der Saison ist das so. Da wird die neue blasse Anreise vor dem Haus empfangen,  und die braune erholte Abreise lautstark verabschiedet. Große Bewegung in den Receptionen, Waschküchen, Parkplätzen und bei der Gemeindeabgabe. Same procedure as every Saturday: mit gefuchtelten Gesten, dass sich die Schinkenärmel ihrer Dirndlbluse aufblähen wie zwei Paragliderschirme, hat die Pensionswirtin ihr  ois, ois Guade, bleibens gsund, bis zum nechsten Joar, an schen Sommer no, Aufwiiiiiiiiiiiiedersehen, pfiat euch und immer wieder Aufwieeeeedersehn, so schön drauf, bis sich ihr Goda freut. Kaum ist die Abreise ums Eck gebogen, heißt es “so” und die Pensionswirtin verschwindet zurück in ihre Seepension.
Das alles beobachte ich von meinem Ausguck aus, ess die wunderbaren Reste meines Vitello Tonnatos, quasi dem alljährlichen, rituellen Abschiedsessen, bevor die Bullerbü-Freunde wieder nach Hause fahren, immer Riesenparty, immer Vitello, bevor zum Abreisetag das Geschirr, die Bücher, die Ladekabeln und Spielsachen auseinander dividiert werden, ich hab mein Dirndl an, schau zu den vielen Paraglider rauf  und denk mir “so”.
Vitello Tonnato:
Eine ganze Kalbsnuss (ca. 1-1,5 Kilo) in einen heißen Sud aus 1/2 l Wasser, 1/2 l Weisswein, 1 Stangensellerie, 4 Lorbeerblätter, Salz und Pfefferkörner legen. Ca. 40 Minuten schwach köcheln. Im Sud auskühlen lassen, hauchdünn quer zur Faser aufschneiden und mit dem Tonnato, aus Mayonnaise (2 Dotter, 1/4 Liter neutrales Sonnenblumenöl) und 4 pürrierten neutralem Thunfisch aus Dosen übergiessen. Mit Kapern toppen.

“Lech mich am Arlberg” hat null damit zu tun

Pollo Tonnato

Ja, schon sehr sehr interessant und ganz viele Aussteller heuer auf der Viennafair. Aber ehrlich gesagt hat mich heuer nichts so zum Schmunzeln gebracht, wie die originelle Interpretation der Ortstafel Diskussion aus dem Vorjahr “Lech mich am Arlberg”.

Das Skopik & Lohn war ausreserviert – eh klar und jetzt gute Idee: Expedit. Diese lauen Salate sind derartig gut und einer davon mit Thunfisch, und ich gleich: Thunfisch! Da kratz ich jetzt gar keine Kurve, weil natürlich hat das Null mit dem Nächsten zu tun.

“Lech mich am Arlberg” von Mathias Kloser, Galerie Frey

Und sowieso ist ein Tonnato auch vom Vitello, aber wo kriegst du auf die Schnelle eine Kalbsnuss her. Also interpretiere ich da was rein und mach das Ganze mit Huhn:

4 Hühnerbrüste in einem Sud aus Lorbeer, Suppenwürfel & Weißwein (ca. 1/8) 30 min köcheln. Gut darin auskühlen lassen. Eine Mayo aus 2 Dotter und 1/4 neutralem Öl machen, Würzen und mit 3 Dosen Thunfisch (neutral nicht in Öl) pürieren. Brüste aufschneiden und mit dem Tonnato übergießen. Mit Kapern bestreuen und dann ab ins Eis zum Marinieren und Kühlen.

Das Beste wird sein, ich geh noch einmal auf die Viennafair und schau mir alles noch einmal genauer an.