Ein Zwetschenfleck auf der 10teiligen Uta Brandner Skala


Beim Zwetschkenfleck gibt es für mich, und das seit ich schmecken kann, nur ein Maß aller Dinge: wie nah kommt er an den von Uta Brandner heran. Die Mutter meiner Freundin aus Kindertagen “Scouty” Sabine. Mit ihr konnte ich aus dem “Handbuch zum Überleben im Wald” Hochstände bauen, aus dem Schlauchboot abwechseln Wasserläufer und Molchen fangen, Krötenweitspringen veranstalten oder auf der Weltkarte in ihrem Zimmer die noch so kleinsten Pazifischen Inseln kapern. Typisch, meine Lieblingsinsel immer die Schweineinseln ;-)). Und dann im Spätsommer stand dort fast jeden Tag der beste Zwetschkenfleck auf der Chippendale Kommode, eben der von ihrer Mutter Uta. Angeteasert natürlich vom Duft des warmen Germteigs, dem großen Aufschwingen der Küchentüre und dem Schlachtruf der kleinen Brüder nach der Obstpizza. Immer bester Zwetschkenfleck. Später hat man sich noch ein paar Mal getroffen, einmal hin und einmal her besucht und gebatikte Wäschegeschenke ausgetauscht. Ich glaub sie ist jetzt immer noch Zeichenprofessorin an einem Wiener Gym, und ich frag mich oft, ob sie das mit dem Zwetschkenfleck ihrer Mutter genauso. Germteig so flach es geht und trotzdem so fluffig, reife Hauszwetschken, geviertelt nicht halbiert, nicht zu dicht geschindelt und trotzdem schön den Zwetschkensaft an den Boden abgeben. Die schon eher dunkel gebackene Teigoberfläche glänzend und flach, wo keine übermäßigen Pölster zwischen dem Obst hervorquellen. Mit einem Hauch von Mariellenmarmelade bestrichen, der wie mit Schellack poliert dem Fleck das Tüpfelchen auf dem i gibt. Kein Streusel oder Hagelzucker drauf, einfach in diese
schöne große Quadrate geschnitten, so war das mit dem Zwetschkenfleck von Uta Brandner, früher. Nicht, dass ich den nicht schon öfter gebacken hätte wie auch hier schon im August, auf der 10teiligen Uta Brandner Skala eine glatte 8, dann alle Jahre und eben jetzt wieder. Es muss sicher eine bestimmte Konstellation gehabt haben und vielleicht war es die Markfrau vom Kutschkermarkt mit den echten Hauszwetschken oder die Vorstellung vom neuen IPhone plus AppleWatch Draufgabe im Live-Stream auf die Küchenwand gebeamt und noch Vollmond dazu, der Zwetschkenfleck hat jedenfalls genau so geschmeckt wie der von der Uta Brandner, ich gebe 10 von 10.

Für den Germteig:
halbes Packers von Bio-Trocken-Germ (erspart das Dampfl machen), 250 g glattes Mehl (ca. ein Drittel war Rest von einem Dinkel Mehl, lag es daran?), 2 Dotter, 1 ganzes Ei, 40g Staubzucker,  40g Butter, sehr weich, 1/8 l Milch lauwarm, Prise Salz
Für den Belag:
1kg Hauszwetschken, geviertelt

Alles für den Germteig mit Kochlöffel im Weitling glattschlagen oder mit der Küchenmaschine kneten und 1/2 Stunde gehen lassen, dann Teig mit etwas Mehl durchkneten und auf ein Backblech flachdrücken, mit geviertelten Zwetschken belegen und nochmal kurz gehen lassen.
Küchengeheimniss: auf die warme Espressomaschine stellen
Dann im vorgeheizten Backrohr bei 180 Grad 35 Minuten backen.
Noch heiß mit Marillenmarmelade bestreichen.

ZZZ…Zwetschkenzwiebelzauber

Zum Stichwort Zwetschken finde ich in Die gute Küche von Plachutta-Wagner Zwetschkenfleck, Zwetschkenknödel, Zwetschkenkompott, Zwetschkenkuchen, Zwetschkenmarmelade, Zwetschkenröster und Zwetschkenterrine, aus. Mehr hast du nicht zu bieten du gute Küche, du, meinem verlässlichen Archiv für Klassiker. Was mach ich jetzt mit meinem Teller Zwetschken? Gloria und Julie sind für Knödel, Petra für Fleck, Nina für Chutney mit Chili.  Ich verwerte die Chutney Anregung zu einem Art Zwetschken-Zwiebel-Konfit, brate die Zwiebel langsam in Butterschmalz an, zuckere mit 3 EL, gebe entkernte Zwetschkenstücke dazu, einen Schuß Balsamico Essig, ca. 10-15 min auf kleiner Flamme und viel rühren, dass sich auch ja nichts anlegt. Dazu Blunzenradln mit viel Salz und Pfeffer. Passt alles sehr gut zusammen, vielleicht will ja Die gute Küche in einer Neuauflage das Z-Register um Zwetschkenzwiebelzauber erweitern!

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